Es ist drei Uhr morgens. Auch die letzten Gespraechsausfluegler sind wieder an den Rinjani zurueckgekehrt, und alles dreht sich nur noch um den letzten Streckenabschnitt nach oben. Mehr aus Vernunft quaelen wir uns ein paar Loeffel kalten Reis zum Fruehstueck rein, bevor sich das Trueppchen aus etwa 20 Leuten in Bewegung setzt. Durch ausgewaschene, sandige Kurvenrinnen geht es zunaechst relativ leicht voran. Schon bald erreichen wir einen schmalen Pfad, der direkt ueber den Kraterkamm fuehrt. Rechts und links geht es durch und durch poroesem Vulkangeroell in die Tiefe.. Dennoch ist die Absturzgefahr recht gering, da wir mit jedem Schritt eher im Staub versacken als wegrutschen. Unsere Headlights brauchen wir gar nicht: der abnehmende Vollmond strahlt immer noch so hell, dass wir den Weg vor uns fast so gut erkennen koennen wie am Tag. Alles ringsum ist still und friedlich. Der Himmel ueber uns ist so klar, dass man foermlich die Sterne funkeln hoeren kann. Schritt fuer Schritt versinkt jeder in sich selbst, lauscht den vorueberwehenden Gedanken, geniesst den unerschuetterlichen Einklang von Himmel und Erde, passt sich der Ruhe und dem Gleichmut an, die hier oben vorherrschen.
Aber der dicke Brocken steht uns noch bevor: die letzten anderthalb Stunden geht es ueber losen Geroellboden nur noch steil bergauf. Mit jedem Schritt nach vorn rutschen wir einen halben zurueck. Voller Stockeinsatz ist gefragt, wer keinen hat, kraucht auf allen Vieren. Alle paar Minuten gibt’s eine kurze Verschnaufpause. Das ist der Teil, vor dem uns alle gewarnt haben. In der letzten Stunde legen wir gerade mal 500m zurueck, auf denen wir allerdings 350m Hoehe ueberwinden. Kurz nach Sonnenaufgang um 06:15 Uhr sind wir oben! Die Aussicht ist – ebenso wie die Stimmung – unbeschreiblich. Jeder weiss, was der Andere gerade hinter sich hat, und zum gemeinsamen Erfolgserlebnis kommt die Gegenwart dieser einzigartigen Landschaft, von der eine in sich ruhende Schoenheit ausgeht, die einen alles andere um sich herum fuer Momente vergessen laesst. Nichts ist hier oben wichtig, seit Jahrtausenden verharren die Elemente hier in ihrem naturgegebenen Dasein; Gesteinsmassen werden abgetragen, um anderswo wieder abgelagert zu werden; alles veraendert sich staendig und bleibt doch immer gleich. Nie war es anders, immer wird es so sein. Der letzte Ausbruch des Rinjani war 1994.

Der Rueckweg zum Camp ist ein Kinderspiel. Wie tiefer Schnee faengt das lose Gestein jeden unserer Schritte ab. Man kann die steilen Haenge in kurzen Spruengen regelrecht hinunter laufen. Nur der Hintermann hat ein bisschen das Nachsehen, wegen der riesigen Staubwolke, die jeder bei dieser Abfahrt hinterlaesst. Entlang des Kraterrandes dann wieder ein Aussichtspunkt schoener als der andere. Die Natur liefert um diese Tageszeit ein unerschoepfliches Farbspektrum: der See im Kratertal zu unserer Linken schimmert dunkelbau, waehrend sich an seinen schwefeldurchtraenkten Raendern gelbgruene Streifen abzeichnen. Die furchigen Geroellhalden links und recht neben uns tragen ein fast warmes dunkles Graubraun, waehrend der Kegel des Batur im Innern des Kraters eher roetlich-graue Zuege aufweist, und ganz weit unten rechts lockt im frischen Dunst bereits die gruene Vegetationsgrenze zum Abstieg. Kein Woelkchen truebt um die Zeit den strahlenden Morgenhimmel – wie praktisch, dass sich genau oben am Gipfel der Kamera-Akku verabschiedet hat (deswegen sieht man hier keine Fotos, wie man sieht).
Auch das letzte Stueck zum Camp, von wo wir heut nacht gestartet waren, bereitet eher Spass als Muehen. Wie durch eine stark verwinkelte Bob-Bahn rasen wir die Erdrinnen hinunter, immer den Stock zum Bremsen bereit, den Rest besorgt der federnde Sand unter den Fuessen, der unseren Gelenken einen guten Dienst leistet. Am Camp hat sich schon wieder ein Rudel Affen in Position gebracht und teilt wohl insgeheim schon mal die Fruehstuecksreste unter sich auf. Es ist neun Uhr, und eine gute Stunde spaeter raeumen die edlen Spender das Revier und machen sich an den allerletzten Abstieg in Richtung Sembalun.
Wir sind nun an der nordoestlichen Aussenwand des Kraters. Von Regenwald ist auf dieser dem Wetter ausgesetzten Seite keine Spur mehr. Vielmehr geht es ueber Wurzeln und Steine zunaechst durch Hartlaub wieder einmal steil nach unten. Inzwischen sind wir recht geuebt und huepfen wie die Gemsen im Zickzack von einem Punkt zum naechsten. Nach einer Weile ertoent plotzlich der Singsang eines Muezzins. Ein Dorf in dieser Hoehe? Wir koennens kaum glauben. Ein paar Meter tiefer dann des Raetsels Loesung: muslimische Wanderer auf dem Weg nach oben, die gerade Rast machen. Neben den Rucksaecken steht ein kleines Kofferradio, aus dem der Geistliche sein Gebet plaerrt.
Die letzte Ananas wird am letzten Rastplatz gerecht geteilt, die letzten Affen warten auf ihr Lunchpaket, bevor es durch ein ausgetrocknetes Flussbett hinein in eine savannenartige, nur noch leicht absteigende Ebene geht. Ein schmaler Pfad fuehrt uns durch schulterhohes, staubtrockenes Gras. Die Sonne hat gerade ihren Zenit ueberschritten und knallt uns gnadenlos auf die Schultern. Gelbbraun dominiert die Landschaft, flirrende Hitze das Klima. Es wird ein Gewaltmarsch ueber zwei Stunden, und das Tempo, das unser mittlerweile genesener Fuehrer Adi vorlegt, ist kaum zu halten. Aus seiner Sicht verstaendlich: je frueher er zu Haus ist, desto eher hat er Feierabend. Aber auch wir wollen diesen hoffentlich letzten Streckenteil so schnell wie moeglich hinter uns kriegen, und so passen wir uns mehr schlecht als recht an. Denn obwohl der Weg von seiner Beschaffenheit her mit Abstand der leichteste in den letzten Tagen ist, wird er fuer uns zu einem der zehrendsten Abschnitte: mittlerweile tut von den Fuessen bis hoch zu den Oberschenkeln so ziemlich alles irgendwie weh; jeder Schritt, der noch vor uns liegt, ist eigentlich ein Schritt zuviel. Die letzte halbe Stunde will kaum vergehen. Das kleine Doerfchen Sembalun zieht sich mit seinen Mais- und Tabakfeldern, seinen Huetten und Viehstaellen so ewig lang hin, wie zwei Wochen vorher die letzten Meter des Merapi.
Bleibt die Frage, warum man sich so was antut. Fuer uns ist inzwischen eine Antwort mehr dazu gekommen: die blosse Tatsache, dass es diesen oder jenen Berg von dieser oder jener Hoehe gibt, ist nicht mehr als ein bemerkenswertes Faktum in Atlas oder Reisefuehrer. Dagegen schafft das Erlebnis, auf dieses Ding auch mal in natura raufzuklettern, so etwas wir eine unausloeschliche Beziehung zwischen Mensch und Berg (zumindest fuer den Menschen). Manche werden hinterher sagen: nie wieder! Andere (die ganz harten) planen schon beim Abstieg den naechsten Sechstausender. Es kann aber auch eine Art Hassliebe dabei entstehen: In dem Moment, in dem einem alles weh tut und man sich selbst am liebsten verfluchen moechte, sich auf diesen masochistischen Trip eingelassen zu haben, hat man doch insgeheim laengst die Entscheidung getroffen, sich irgendwann – nicht heute, nicht morgen, nicht naechste Woche, aber irgendwann – mit Sicherheit genau dasselbe Programm wieder anzutun. Allein fuer diese Art der Erinnerung lohnt sich’s. Ein paar Fotos mehr waeren natuerlich auch nicht schlecht gewesen ...
Posted by thaiboyal
at 12:01 AM JST
Am naechsten Morgen scheint die Sonne wieder mit gewohnter Kraft. Noch ein bisschen weich in den Knochen brechen wir nach einem guten Fruehstueck auf in Richtung See. Der Abstieg erfolgt zunaechst ueber halsbrecherisch steile Felskanten. Zwischendurch kommt immer wieder mal ein schmaler Pfad entlang der abschuessigen Kraterinnenwand. Fast alle 20 Hoehenmeter eroeffnet sich eine neue Perspektive ins Tal. Man koennte hier eigentlich staendig die Kamera zuecken, so schoen ist die Landschaft – zumal morgens um neun bei seitlich einfallendem Sonnenlicht.
Gegenueber, links hinter dem See, steckt der Rinjani seine graue Spitze in den (noch) klaren Himmel.
Der gestrige Abend war wohl doch etwas zu kalt fuer ihn. Als er uns wenig spaeter fragt, ob wir zu Haus viel in den Bergen unterwegs seien, ist das fuer uns Flachlaender dennoch wie ein Ritterschlag.
Was bringt einen erwachsenen, halbwegs vernuenftigen Menschen dazu, im Urlaub bei ueber 30 Grad Aequatorhitze auf Berge zu klettern, noch dazu, wenn er das Meer genau vor der Nase hat? Der gelaeufigste Antwort fuer den, der nicht viel Worte macht, ist die: der Berg ist einfach da. Jetzt und hier. Beim Rinjani kommt noch dazu, dass er praktisch allgegenwaertig ist. Zumindest in Indonesien. Die Ansicht des Massivs schmueckt naemlich die Rueckseite des 10.000Rupien-Scheins, und den hat man hierzulande so haeufig im Portemonnaie wie in Deutschland das Euro-Stueck (12.000 Rp. = 1Euro) Ausserdem sprechen wir beim Rinjani mit seinen 3726m vom zweithoechsten Berg Indonesiens und zudem von einer der spektakulaersten Vulkanlandschaften ueberhaupt. Gruende genug also, die zusammen wie eine unwiderstehliche Aufforderung wirken muessen ...

Ueberall summt, brummt, zwitschert und kreischt es; die Augen koennen nicht genug kriegen von diesem Ueberfluss an Gruen, das da in allen Schattierungen und Formen in, ueber, neben und in den Schluchten unter uns wuchert.
Drei Tage Faulenzen sind mehr als genug, um sich wieder nach etwas anderen Eindruecken zu sehnen. Mit Boot und Bus gehts am fruehen Morgen bis nach Senggigi, Lombok. Eigentlich wollten wir gleich weiter zum Rinjani, aber uns ist das Geld ausgegangen, und das kann ohne Traveller-Schecks auf einer Insel wie Lombok schon mal ein kleines Problem werden. Also tanken wir in Senggigi, einer Hotelburg am Weststrand Lomboks, die wenigstens so ausgestorben wirkt wie Lovina auf Bali. “Sonyas Homestay” ist neben den ganzen Luxusplantagen ein echter Zufluchtsort fuer Backpacker. Hier treffen wir ein Paerchen – sie aus Amsterdam, er aus Irland – die schon acht Monate in Indien unterwegs waren und wirklich spannende Reisegeschichten zum Besten geben.
Was noch nicht so recht klar ist, sind die Konditionen: Es gibt verschiedene Touren, und wie ueberall, so auch hier, ist der Preis Verhandlungssache. Der Chef vom Trekkings-Camp ist ein Typ namens Hardy Krueger, der wenigstens vier Sprachen spricht und genauso viele Outfits am Tag auftraegt. Das halbe Dorf scheint irgendwie von seinem Unternehmen abzuhaengen. Ob Traeger, Fuehrer, Kellner oder sonst welche Dienstleistungen ? alles geht hier von Hardy aus, und wer eine spezielle Tour wuenscht, kommt nicht umhin, mit Hardy Kaffee zu trinken ... Arnold ist wirklich ein hartnaeckiger Verhandler, und erst gegen Abend, als Mr. Krueger (mittlerweile im Trenchcoat mit hochgeschlagenen Aermeln) selbst muede zu werden scheint, kommt es endlich zu einem Deal. Zu den Einzelheiten nur soviel: Bucht niemals eine Tour unterwegs, sondern immer nur direkt vor Ort. Wir beide waren leider so bloed, uns schon in Senggigi ein Angebot aufschwatzen zu lassen, was beinahe schief gegangen waere …
Es braucht eine halbe Stunde, um einmal um die Insel herum zu gehen. Auf der einen Seite Richtung Suedosten ist der Hauptstrand. Mehrere kleine Restaurants und Warunghuetten wechseln sich ab mit Wohnbungalows und etwas groesseren Anlagen. Ganz vorn am Strand laden gemuetliche Pavillons zum Verweilen ein. Hier liegen wir manchmal stundenlang im schuetzenden Schatten und blicken aufs Meer. Dort liegt vor uns die Palmenkueste von Air (von Lombok aus gesehen die erste der Gilis), dahinter tuermt sich die bergige Fassade von Lombok. Bei klarem Wetter zeigt sich ganz hinten im Dunst die Spitze des Rinjani, dem zweithoechsten Berg Indonesiens.

Fuenf Stunden bis Lembar, Lombok, eine gute Zeit, um statt "LonelyPlanet" endlich mal ein ‚richtiges’ Buch zu lesen. Im Hafen docken sofort kleine Boote an, Haendler klettern hoch und beginnen wieder ihr uebliches Angepreise. Einige versuchen, sich als Traeger anzubieten, aber dank Reisefuehrer gibt hier niemand mehr sein Gepaeck aus der Hand. Insgesamt ist es aber lange nicht so schlimm, wie wir befuerchtet hatten. Mit dem Bus weiter nach Bangsal, dem Hafen von Pembanan im Nordwesten Lomboks.
Nach zwei Tagen Ruhe weiter in Richtung Sueden nach Padangbai. Zunaechst ganz spartanisch auf der hinteren Ladeflaeche eines Lasters. Hier und da halten wir immer wieder mal an, um Leute mit ins naechste Dorf zu nehmen. Die meisten von ihnen haben ein Buendel Makrelen dabei, die sie bei den Fischern gekauft haben. An einer Rinne am Strassenrand sitzen die Aermsten der Armen und verrichten ihre Notdurft samt Morgentoilette. Wir passieren wunderschoene Taeler mit ueppigen Reisterassen. Hier hinter den Bergen kann man gelegenlich noch mit Regen rechnen, waehrend vorn an der Kueste eine laehmende Duerre herrscht. Das letzte Stueck nach Padangbai nehmen wir den Local-Bus – auch ein Bemo, diesmal aber ein verlaesslicher – schliesslich fahren hier nicht nur Touris damit, und was anderes scheints auf diesem Streckenabschnitt auch nicht zu geben. Im Hafen von Padangbai angelangt, faellt es nicht schwer, sich zu orientieren. Neben der Hafenbucht, von der die Faehre nach Lombok geht, gibt es rechts und links je eine verborgene kleine Nebenbucht, wo sichs zum Teil bei Flut auch recht gut schnorcheln laesst, voraussgesetzt man laesst sich auf die nicht ganz ungefaehrliche Kombination von Flachriff und recht starken Wellen ein. Ansonsten ist hier alles wieder ein bisschen voller: der Ort lebt vorwiegend vom Transitverkehr; alle zwei Stunden geht eine Faehre nach drueben, und wer auf dem normalen Weg nach Lombok will, kommt hier eigentlich nicht drumherum.
Die Nordkueste von Bali entlang Richtung Osten. In einem der zahlreichen kleinen Doerfer bereiten sie gerade eine Kremation vor: die Zeremonie, mit der die balinesichen Hindus ihre Toten beerdigen. Dazu wird ein etwa drei Meter hoher Turm aus Bambus gebaut und mit allerhand Zierrat geschmueckt. Das Ganze kann sich bis zu einer Woche und laenger hinziehen. Der Verstorbene wird unterdessen 'provisorisch begraben', damit seine Seele bis zur endgueltigen Bestattung nicht entweichen kann. In dieser Zeit finden sich dann auch nach und nach Verwandte aus allen Himmelsrichtungen ein, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Am Tag der Kremation wird der Verblichene wieder ausgegraben und in einer feierlichen Zeremonie auf dem Turm verbrannt. Auch diese Prozedur kann sich einen ganzen Tag hinziehen, wie unser Fahrer berichtet.
muss praktisch nur noch von der Terasse aus einsteigen, und schon ist man mittendrin im bunten Gewusel der Meeresbewohner. Nachmittags fahren die Fischer mit ihren kleinen Katamaran-Seglern hinaus, um gegen halb sieben zurueckzukehren, wenn hinter uns in den Bergen die Sonne langsam verschwindet und dieses paradiesische Fleckchen in ein fast kitschiges Licht taucht. Hoert euch Nick Drakes "Riverman" an, und ihr habt den perfekten Soundtrack zu diesem wunderbaren Ort des Friedens. Nicht ganz perfekt ist der Sound, der uns abends im Bett zufliegt: Die Jungs vom Restaurant nebenan haben nochmal die Klampfe rausgeholt und begleiten uns mit ihren Versuchen in die Nacht. Ueberhaupt singt hier jeder ueberall. Dass sie’s auch alle koennen, wuerden wir allerdings nicht unterschreiben;o)
Unser Einzug ist nicht lange geheim geblieben. Schon beim Fruehstueck werden wir belagert von den penetranten Haendlern und Schleppern, die uns Schnorcheltouren, Schnitzereien und werweisswassonstnoch andrehen wollen und deren Englisch doch recht duerftig zu sein scheint; zumindest verstehen sie auch beim zehnten Mal nicht, dass "No" "No" means, weshalb wir kurzentschlossen unser Raenzlein schnueren, um uns im Inneren von Lovina hinter Hotelmauern zurueckzuziehen. Hier haben wir ohnehin die Qual der Wahl: die etwa acht Kilometer lange Hotelkueste gleicht einer Geisterstadt, die irgendwann vor Jahren vermutlich mal bessere Zeiten gesehen hat. Leere Restaurant, wo man auch hinkommt, hin und wieder sogar mal ein Tourist, dafuer an jeder Ecke fliegende Haendler und Schlepper, die sich auf die Neuankoemmlinge stuerzen wie Fliegen auf den frischen Mist. Wir fuehlen uns aeusserst unwohl, und haetten wir nicht die letzten zwei Tage im Bus gesessen, wuerden wirs jetzt wohl schon wieder tun. Auch im "Harris Inn" sind wir die einzigen Gaeste. Der schwarze Strand wirkt wie ausgestorben. Was solls, endlich koennen wir im Meer baden. Das Wasser ist herrlich warm und ueberhaupt keine Erfrischung. Am Ufer sitzen sie schon wieder mit ihren Sarongs und Perlenketten und warten, dass wir aus dem Wasser kommen. Sie habens geschafft: morgen sind wir hier wieder weg!
Die naechsten zwei Tage verbringen wir nahezu komplett im Bus. Wir sind auf dem Weg nach Bomyuwangi im Osten Javas: von dort geht die Faehre nach Gilimanuk, Bali. Die Nacht verbringen wir in 2392m Hoehe am oberen Rand des Gunung Bromo. Dieser ebenfalls aktive Vulkan liefert mit seiner spektakulaeren Kulisse einen weiteren Grund, vor Morgengrauen auf Wanderschaft zu gehen. Keine Angst, diesmal dauerts lediglich eine gute Stunde, bis wir die bizarre Landschaft im Plateau des Kraters durchwandert haben. Trotzdem ist auch dieser kleine 'Bummel' ein echtes Erlebnis. Staendig tauchen von irgendwoher aus der Finsertnis Reiter auf, die sich als Fuehrer anbieten. Aber der Weg ist relativ gut ueberschaubar, und immer wieder blinken neue Lichter auf von Leuten, die zu dieser fruehen Stunde hier in der Sandwueste unterwegs sind. Das Innere dieses riesigen Vulkans erstreckt sich ueber einen Durchmesser von ungefaehr zehn Kilometern. Man muss sich das vorstellen wie einen immens grossen Mutterkrater, in dessen Zentrum sich weitere 'kleine' Krater-Oeffnungen befinden, deren zerklueftete Aussenwaende man wiederum besteigen muss. Das ganze Setting bildet nicht nur bei Sonnenaufgang eine der faszinierendsten Vulkanlandschaften, die Java ueberhaupt zu bieten hat. Fuer uns, die wir in diesem Moment auf der stinkenden Spitze in der Mitte gegen den kaum noch zu ertragenden Schwefelgestank ankaempfen, ist nur etwa die Haelfte vom Ganzen auszumachen, was aber trotzdem atemberaubend ist – im wahrsten Sinne des Wortes!