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Indonesien!
Thursday, 22 September 2005
Rinjani, 3.Tag
Es ist drei Uhr morgens. Auch die letzten Gespraechsausfluegler sind wieder an den Rinjani zurueckgekehrt, und alles dreht sich nur noch um den letzten Streckenabschnitt nach oben. Mehr aus Vernunft quaelen wir uns ein paar Loeffel kalten Reis zum Fruehstueck rein, bevor sich das Trueppchen aus etwa 20 Leuten in Bewegung setzt. Durch ausgewaschene, sandige Kurvenrinnen geht es zunaechst relativ leicht voran. Schon bald erreichen wir einen schmalen Pfad, der direkt ueber den Kraterkamm fuehrt. Rechts und links geht es durch und durch poroesem Vulkangeroell in die Tiefe.. Dennoch ist die Absturzgefahr recht gering, da wir mit jedem Schritt eher im Staub versacken als wegrutschen. Unsere Headlights brauchen wir gar nicht: der abnehmende Vollmond strahlt immer noch so hell, dass wir den Weg vor uns fast so gut erkennen koennen wie am Tag. Alles ringsum ist still und friedlich. Der Himmel ueber uns ist so klar, dass man foermlich die Sterne funkeln hoeren kann. Schritt fuer Schritt versinkt jeder in sich selbst, lauscht den vorueberwehenden Gedanken, geniesst den unerschuetterlichen Einklang von Himmel und Erde, passt sich der Ruhe und dem Gleichmut an, die hier oben vorherrschen.
Aber der dicke Brocken steht uns noch bevor: die letzten anderthalb Stunden geht es ueber losen Geroellboden nur noch steil bergauf. Mit jedem Schritt nach vorn rutschen wir einen halben zurueck. Voller Stockeinsatz ist gefragt, wer keinen hat, kraucht auf allen Vieren. Alle paar Minuten gibt’s eine kurze Verschnaufpause. Das ist der Teil, vor dem uns alle gewarnt haben. In der letzten Stunde legen wir gerade mal 500m zurueck, auf denen wir allerdings 350m Hoehe ueberwinden. Kurz nach Sonnenaufgang um 06:15 Uhr sind wir oben! Die Aussicht ist – ebenso wie die Stimmung – unbeschreiblich. Jeder weiss, was der Andere gerade hinter sich hat, und zum gemeinsamen Erfolgserlebnis kommt die Gegenwart dieser einzigartigen Landschaft, von der eine in sich ruhende Schoenheit ausgeht, die einen alles andere um sich herum fuer Momente vergessen laesst. Nichts ist hier oben wichtig, seit Jahrtausenden verharren die Elemente hier in ihrem naturgegebenen Dasein; Gesteinsmassen werden abgetragen, um anderswo wieder abgelagert zu werden; alles veraendert sich staendig und bleibt doch immer gleich. Nie war es anders, immer wird es so sein. Der letzte Ausbruch des Rinjani war 1994.
Der Rueckweg zum Camp ist ein Kinderspiel. Wie tiefer Schnee faengt das lose Gestein jeden unserer Schritte ab. Man kann die steilen Haenge in kurzen Spruengen regelrecht hinunter laufen. Nur der Hintermann hat ein bisschen das Nachsehen, wegen der riesigen Staubwolke, die jeder bei dieser Abfahrt hinterlaesst. Entlang des Kraterrandes dann wieder ein Aussichtspunkt schoener als der andere. Die Natur liefert um diese Tageszeit ein unerschoepfliches Farbspektrum: der See im Kratertal zu unserer Linken schimmert dunkelbau, waehrend sich an seinen schwefeldurchtraenkten Raendern gelbgruene Streifen abzeichnen. Die furchigen Geroellhalden links und recht neben uns tragen ein fast warmes dunkles Graubraun, waehrend der Kegel des Batur im Innern des Kraters eher roetlich-graue Zuege aufweist, und ganz weit unten rechts lockt im frischen Dunst bereits die gruene Vegetationsgrenze zum Abstieg. Kein Woelkchen truebt um die Zeit den strahlenden Morgenhimmel – wie praktisch, dass sich genau oben am Gipfel der Kamera-Akku verabschiedet hat (deswegen sieht man hier keine Fotos, wie man sieht).
Auch das letzte Stueck zum Camp, von wo wir heut nacht gestartet waren, bereitet eher Spass als Muehen. Wie durch eine stark verwinkelte Bob-Bahn rasen wir die Erdrinnen hinunter, immer den Stock zum Bremsen bereit, den Rest besorgt der federnde Sand unter den Fuessen, der unseren Gelenken einen guten Dienst leistet. Am Camp hat sich schon wieder ein Rudel Affen in Position gebracht und teilt wohl insgeheim schon mal die Fruehstuecksreste unter sich auf. Es ist neun Uhr, und eine gute Stunde spaeter raeumen die edlen Spender das Revier und machen sich an den allerletzten Abstieg in Richtung Sembalun.
Wir sind nun an der nordoestlichen Aussenwand des Kraters. Von Regenwald ist auf dieser dem Wetter ausgesetzten Seite keine Spur mehr. Vielmehr geht es ueber Wurzeln und Steine zunaechst durch Hartlaub wieder einmal steil nach unten. Inzwischen sind wir recht geuebt und huepfen wie die Gemsen im Zickzack von einem Punkt zum naechsten. Nach einer Weile ertoent plotzlich der Singsang eines Muezzins. Ein Dorf in dieser Hoehe? Wir koennens kaum glauben. Ein paar Meter tiefer dann des Raetsels Loesung: muslimische Wanderer auf dem Weg nach oben, die gerade Rast machen. Neben den Rucksaecken steht ein kleines Kofferradio, aus dem der Geistliche sein Gebet plaerrt.
Die letzte Ananas wird am letzten Rastplatz gerecht geteilt, die letzten Affen warten auf ihr Lunchpaket, bevor es durch ein ausgetrocknetes Flussbett hinein in eine savannenartige, nur noch leicht absteigende Ebene geht. Ein schmaler Pfad fuehrt uns durch schulterhohes, staubtrockenes Gras. Die Sonne hat gerade ihren Zenit ueberschritten und knallt uns gnadenlos auf die Schultern. Gelbbraun dominiert die Landschaft, flirrende Hitze das Klima. Es wird ein Gewaltmarsch ueber zwei Stunden, und das Tempo, das unser mittlerweile genesener Fuehrer Adi vorlegt, ist kaum zu halten. Aus seiner Sicht verstaendlich: je frueher er zu Haus ist, desto eher hat er Feierabend. Aber auch wir wollen diesen hoffentlich letzten Streckenteil so schnell wie moeglich hinter uns kriegen, und so passen wir uns mehr schlecht als recht an. Denn obwohl der Weg von seiner Beschaffenheit her mit Abstand der leichteste in den letzten Tagen ist, wird er fuer uns zu einem der zehrendsten Abschnitte: mittlerweile tut von den Fuessen bis hoch zu den Oberschenkeln so ziemlich alles irgendwie weh; jeder Schritt, der noch vor uns liegt, ist eigentlich ein Schritt zuviel. Die letzte halbe Stunde will kaum vergehen. Das kleine Doerfchen Sembalun zieht sich mit seinen Mais- und Tabakfeldern, seinen Huetten und Viehstaellen so ewig lang hin, wie zwei Wochen vorher die letzten Meter des Merapi.

Bleibt die Frage, warum man sich so was antut. Fuer uns ist inzwischen eine Antwort mehr dazu gekommen: die blosse Tatsache, dass es diesen oder jenen Berg von dieser oder jener Hoehe gibt, ist nicht mehr als ein bemerkenswertes Faktum in Atlas oder Reisefuehrer. Dagegen schafft das Erlebnis, auf dieses Ding auch mal in natura raufzuklettern, so etwas wir eine unausloeschliche Beziehung zwischen Mensch und Berg (zumindest fuer den Menschen). Manche werden hinterher sagen: nie wieder! Andere (die ganz harten) planen schon beim Abstieg den naechsten Sechstausender. Es kann aber auch eine Art Hassliebe dabei entstehen: In dem Moment, in dem einem alles weh tut und man sich selbst am liebsten verfluchen moechte, sich auf diesen masochistischen Trip eingelassen zu haben, hat man doch insgeheim laengst die Entscheidung getroffen, sich irgendwann – nicht heute, nicht morgen, nicht naechste Woche, aber irgendwann – mit Sicherheit genau dasselbe Programm wieder anzutun. Allein fuer diese Art der Erinnerung lohnt sich’s. Ein paar Fotos mehr waeren natuerlich auch nicht schlecht gewesen ...

Posted by thaiboyal at 12:01 AM JST
Wednesday, 21 September 2005
Rinjani, 2.Tag
Am naechsten Morgen scheint die Sonne wieder mit gewohnter Kraft. Noch ein bisschen weich in den Knochen brechen wir nach einem guten Fruehstueck auf in Richtung See. Der Abstieg erfolgt zunaechst ueber halsbrecherisch steile Felskanten. Zwischendurch kommt immer wieder mal ein schmaler Pfad entlang der abschuessigen Kraterinnenwand. Fast alle 20 Hoehenmeter eroeffnet sich eine neue Perspektive ins Tal. Man koennte hier eigentlich staendig die Kamera zuecken, so schoen ist die Landschaft – zumal morgens um neun bei seitlich einfallendem Sonnenlicht.
Der See hat die Form eines Halbmondes, dessen offene Seite sich um eine kleine Vulkan-Halbinsel im Zentrum des Kraters legt. Dort unten hebt sich der Baru aus dem Gewaesser, mit seinen paar 100 Jahren noch ein sehr junger Vulkan. Unvorstellbar, welche unterirdische Naturgewalten seinerzeit im Inneren des Kraters gewuetet haben muessen, um diesen Berg aus dem See nach oben zu druecken. Jetzt werfen seine Furchen staendig wechselnde Schatten, und ringsum an seinen Auslaeufer-Ufern leuchtet das ansonsten blaue Wasser schweflig gruen. Gegenueber, links hinter dem See, steckt der Rinjani seine graue Spitze in den (noch) klaren Himmel.
Zwei Stunden spaeter unten angekommen, erleben wir eine mittlere Enttaeuschung: die steinigen Ufer des Sees sind allesamt haesslich und zugemuellt. Ueberall zeugen Feuerstellen und Verpackungsreste von frueheren Camps. Nicht nur die Touri-Wanderer rasten hier, sondern auch viele Dorfbewohner von jenseits der Kraterwaende kommer hierher, um sich ein paar fette Karpfen aus dem Wasser zu angeln. Zum Baden ist das hier leider ueberhaupt nichts, aber keine zehn Minuten vom Seeufer entfernt gibt es heisse Quellen, in denen wir uns endlich wieder auf annehmbare Koerpertemperatur bringen. Die Badewanne dampft und blubbert und wirkt wie ein Jungbrunnen, so dass wir gegen drei Uhr nachmittags wieder fit fuer den Aufstieg zum oestlichen Kraterrand sind. Noch einmal klettern wir fast 700m auf schmalen steinigen Wegen steil bergauf. Wieder passieren wir Wolken, diesmal bleibt es zum Glueck trocken, und der Dunst zieht langsam ueber den See in Richtung Norden weg, dorthin, wo wir heut morgen am ersten Camp gestartet sind.
Unterwegs kommt uns ein halbes Dorf entgegen: Um die 30 Lombonesen marschieren in Reih und Glied runter zum See. Jetzt um die Vollmondzeit herum ist dieser heilige Ort auch immer eine Art Pilgerstaette. Die Stimmung ist dank des Bades in den Quellen und des angenehmen Wetters wieder richtig gut, nur unser Guide Adi hat arg mit Kopfschmerzen zu tun. Der gestrige Abend war wohl doch etwas zu kalt fuer ihn. Als er uns wenig spaeter fragt, ob wir zu Haus viel in den Bergen unterwegs seien, ist das fuer uns Flachlaender dennoch wie ein Ritterschlag.
Knapp drei Stunden spaeter sind wir oben bei Pelawangan II, dem Tor zum Rinjani. Direkt am oberen Kraterrand liegt auf 2700m Hoehe unser Camp fuer heute nacht. Nun trennen uns `nur` noch 1026m vom heiligen Gipfel. Im Camp sind noch andere Gruppen: Franzosen und Deutsche, die heute frueh den Aufstieg bis hierher von der anderen Seite aus genommen haben und morgen nach der Gipfelbesteigung weiter runter zum See wollen. Beim Abendessen werden die verschiedenen Routen ausgetauscht sowie Insidertipps darueber, wo es in Berlin die beste Curry-Wurst gibt oder in Bayern das beste Weissbier. Die Franzosen haben tatsaechlich lebende Huehner mitgebracht, die ihre Traeger hier oben schlachten und zubereiten. Zum Glueck bleibt uns dieser Anblick erspart. Puenktlich zum Sandmaennchen liegen wir totmuede in den Schlafsaecken und lauschen noch ein wenig den Gespraechen draussen am Lagerfeuer. Dort erklaert ein Bayer gerade einem Indonesier in gebrochenem Englisch das deutsche Hochschulsystem, sowie die nicht weniger wissenswerten Hintergruende, warum bei der Fussball-WM 2006 unbedingt Timo Hildebrandt im deutschen Tor stehen muss. Gruende genug, jetzt wirklich und endlich einzuschlafen ...

Posted by thaiboyal at 12:01 AM JST
Updated: Wednesday, 5 October 2005 10:04 PM JST
Tuesday, 20 September 2005
Rinjani, 1.Tag
Was bringt einen erwachsenen, halbwegs vernuenftigen Menschen dazu, im Urlaub bei ueber 30 Grad Aequatorhitze auf Berge zu klettern, noch dazu, wenn er das Meer genau vor der Nase hat? Der gelaeufigste Antwort fuer den, der nicht viel Worte macht, ist die: der Berg ist einfach da. Jetzt und hier. Beim Rinjani kommt noch dazu, dass er praktisch allgegenwaertig ist. Zumindest in Indonesien. Die Ansicht des Massivs schmueckt naemlich die Rueckseite des 10.000Rupien-Scheins, und den hat man hierzulande so haeufig im Portemonnaie wie in Deutschland das Euro-Stueck (12.000 Rp. = 1Euro) Ausserdem sprechen wir beim Rinjani mit seinen 3726m vom zweithoechsten Berg Indonesiens und zudem von einer der spektakulaersten Vulkanlandschaften ueberhaupt. Gruende genug also, die zusammen wie eine unwiderstehliche Aufforderung wirken muessen ...

Wir starten morgens um sieben Uhr in Senaru am Rinjani Trek Centre. Hier ist auf 600m Hoehe der Eingang zum Nationalpark, wo es auch ein kleines Museum gibt incl. Besichtigungen des angrenzenden Bergdorfs, uebrigens saemtlich durchgefuehrt von weiblichen Guides (schon wieder eine absolute Seltenheit). Auch hier bauen sie vor allem Tabak und natuerlich Reis an. Unten donnern Wasserfaelle ins Tal und versorgen ueber recht moderne Kanalsysteme die praechtigen Terassenfelder am noerdlichen Auslaeufer des Massivs.
Ueber 2000 Hoehenmeter liegen an diesem ersten Tag vor uns, kein Grund also fuer vorzeitige Euphorien. Dass wir dennoch recht schnell in leicht uebermuetige Gangarten wechseln, liegt vor allem an dem recht einfachen Anstieg durch eine geradezu verwunschene Regenwaldidylle. Das Klima koennte besser nicht sein; saftiges Gruen spendet wohltuenden Schatten, die Luft ist trotz ihrer Feuchte morgenfrisch. Ueber verschlungenes Wurzelwerk geht es wie auf Stufen nach oben, und spaetestens als nach einer guten Stunde der erste Zwischenstopp erreicht ist, kann von Muedigkeit keine Rede mehr sein.
Nun geht es etwas steiler bergan, hier und dort muss ein groesserer Vorsprung genommen werden, bis wir gegen Mittag das erste Lager erreichen. Erst hier wird uns so richtig klar, wie ueberlaufen die Route eigentlich ist. Mehrere Gruppen rasten hier, unter ihnen auch ein Trupp von 19 (!) Hollaendern. Elf Trager brauchen sie, um ihre Verpflegung samt Zelten, Schlafsaecken, Matten usf. nach oben zu kriegen. Unser Vierergrueppchen kommt fuer drei Tage mit zwei Traegern aus, allerdings hat auch unser Guide Adi einen nicht eben winzigen Rucksack auf den Schultern. Das Schwerste von allem ist das Trinkwasser. Hier heisst es genau haushalten. An verschiedenen Stopps gibt es Quellen, an denen nachgeladen werden kann, allerdings muss das Wasser vorher immer erst abgekocht werden. Unser Team hat alles bestens im Griff und versorgt uns mit Reis, Gemuese und Obst. Die ersten Affen lauern bereits in den Baeumen auf die Reste, zum Glueck bleiben sie bei so vielen Leuten doch eher scheu und zuruckhaltend. Mitten beim Essen zieht auf einmal dichter Nebel auf: Wolken! Wir sind inzwischen bereits auf 1500m Hoehe, und wie wir schon von den Gilis aus mehrfach beobachten konnten, ist der obere Teil des Berges immer spaetestens ab Mittag im Dunst verschwunden. Jetzt stehen wir mittendrin, es ist gleich ein bisschen frischer, wenig spaeter loest sich sogar ein leichter Regen. Mitten in den Wolken, im tiefsten Regenwald – schon ein beeindruckendes Gefuehl!
Keine halbe Stunde ist es wieder klar, und wir brechen wieder auf. Unterwegs schnitzt uns Adi ein paar Wanderstoecke, die wir erst spaeter richtig zu schaetzen lernen werden. Woher hier in dieser Hoehe auf einmal ein Hund kommt, weiss keiner so genau. Aber irgendwie scheint Flocki gerade unsere Gruppe zu moegen und begleitet uns von nun an durch den Dschungel. Die Luft ist inzwischen schon spuerbar duenner geworden. Die Pflanzenwelt dagegen ist immer noch ueppig wie zuvor, und die Waldlandschaft bleibt so abwechslungsreich und faszinierend, dass wir vor lauter Gucken und Staunen kaum merken, wie anstrengend der Weg inzwischen doch geworden ist. Ueberall summt, brummt, zwitschert und kreischt es; die Augen koennen nicht genug kriegen von diesem Ueberfluss an Gruen, das da in allen Schattierungen und Formen in, ueber, neben und in den Schluchten unter uns wuchert.
Nachmittags pausieren wir bereits in 2000m Hoehe, und mittlerweile ist auch die Vegetation wesentlich karger geworden. Dieser Notstand an natuerlichen Ressourcen mag wohl auch ein Grund dafuer sein, dass sich die Affen inzwischen deutlich weiter hervorwagen. Keine 15m entfernt hockt eine ganze Familie in den Baeumen am Abhang und beobachtet interessiert unser Picknick. Das seltsame Gebaren unsererseits, die wir durch eigenartige Kaesten mit Klickgeraeuschen und Blitzlichtern auf sie zurueck starren, scheinen sie laengst gewohnt zu sein.
Das letzte Stueck an diesem ersten Tag ist erneut bestimmt von dichtem Nebel. Inzwischen gibt es kaum noch Baeume. Der Boden ist trocken und steinig, der Anstieg hingegen scheint jetzt immer steiler zu werden. Unsere Traeger sind alles andere als beneidenswert.. Man sieht ihnen an, dass sie fix und fertig sind. Zu allem Ueberfluss faengt es wieder an zu regnen. Die Luft ist kalt und grau, und der Zeitpunkt, da wir uns nichts sehnlicher wuenschen als endlich anzukommen, ist laengst erreicht. Doch das letzte Stueck ist beschwerlich und zieht sich noch mal ordentlich hin. Zwei Hollaender kommen aus dem Nebel. Sie haben genug, wollen wieder zurueck nach unten: „Excellent view up there, but this kind of thing is not our stuff!“
Gegen halb sechs haben wir es endlich geschafft. Ein Schild am oberen Kraterrand deutet auf das erste Camp hin: „Pelawangan I“ – was soviel bedeutet wie „Erstes Tor zum Krater“. Wir sind nun auf 2641m Hoehe. Gleich hinter dem Schild eroeffnet sich uns eine atemberaubende Naturkulisse: Tiefblau im Kratertal, 600m unter uns, glaenzt Segara Anak, Kind des Meeres, der riesige Kratersee des Rinjani im fahlen Licht des wolkenverhangenen Abendhimmels. Aus seiner Mitte erhebt sich Gunung Baru ueber dem Wasser, ein aktiver Vulkan, der sich erst vor einigen hundert Jahren gebildet hatte. Als wir uns umdrehen, koennen wir ueber die Kueste Lomboks hinweg gerade noch die Gilis im Dunst erkennen, und ganz weit hinten sogar noch den Agung auf Bali.
Aber langsam schiebt sich auch diese Seite zu. Die Sonne ist inzwischen ganz weg, und wir muessen zusehen, dass wir irgendwie wieder warm werden. Die klammen Sachen kleben kalt am Koerper, immer noch nieselt es leicht vor sich hin. Viel schlimmer sind unsere Traeger dran, die teilweise nichts als einen duennen Sarongfetzen um Koerper geschlungen haben. Barfuss klappern sie in ihren FlipFlop-Sandalen um die Wette, waehrend sie die kleinen Iglu-Zelte aufbauen. Nebenan zelten die Hollaender. Sie haben sich trotz allem ihr Feierabend-Bierchen nicht nehmen lassen und schnarchen schon in ihre Schlafsaecke, als wir erst zu Abend essen. Adi hat sich noch einmal richtig ins Zeug gelegt und sogar bei der Garnierung der Teller nicht gespart. Gegen acht liegen auch wir im Zelt und fallen dank ungemuetlicher Nasskaelte nur in einen leichten, wenig erholsamen Schlaf.

Posted by thaiboyal at 12:01 AM JST
Updated: Wednesday, 5 October 2005 11:29 PM JST
Monday, 19 September 2005
Von Senggigi nach Senaru
Drei Tage Faulenzen sind mehr als genug, um sich wieder nach etwas anderen Eindruecken zu sehnen. Mit Boot und Bus gehts am fruehen Morgen bis nach Senggigi, Lombok. Eigentlich wollten wir gleich weiter zum Rinjani, aber uns ist das Geld ausgegangen, und das kann ohne Traveller-Schecks auf einer Insel wie Lombok schon mal ein kleines Problem werden. Also tanken wir in Senggigi, einer Hotelburg am Weststrand Lomboks, die wenigstens so ausgestorben wirkt wie Lovina auf Bali. “Sonyas Homestay” ist neben den ganzen Luxusplantagen ein echter Zufluchtsort fuer Backpacker. Hier treffen wir ein Paerchen – sie aus Amsterdam, er aus Irland – die schon acht Monate in Indien unterwegs waren und wirklich spannende Reisegeschichten zum Besten geben.

Am naechsten Tag weiter mit dem Bus nach Senaru in die Berge. In einem kleinen Dorf findet gerade eine muslimische Beschneidungs-Prozession statt. Die Jungen und Maedchen werden auf Saenften durchs Dorf getragen. Gefolgt von einem bunten Festzug gehts mit Gamelan-Trommeln und Beckengerassel dem Erwachsenwerden entgegen. Mit uns im Bus sitzen Tatjana und Arnold aus Frankfurt. Gegen Mittag ist klar, dass wir mit ihnen zusammen die 3Tagestour nach oben wagen werden. Was noch nicht so recht klar ist, sind die Konditionen: Es gibt verschiedene Touren, und wie ueberall, so auch hier, ist der Preis Verhandlungssache. Der Chef vom Trekkings-Camp ist ein Typ namens Hardy Krueger, der wenigstens vier Sprachen spricht und genauso viele Outfits am Tag auftraegt. Das halbe Dorf scheint irgendwie von seinem Unternehmen abzuhaengen. Ob Traeger, Fuehrer, Kellner oder sonst welche Dienstleistungen ? alles geht hier von Hardy aus, und wer eine spezielle Tour wuenscht, kommt nicht umhin, mit Hardy Kaffee zu trinken ... Arnold ist wirklich ein hartnaeckiger Verhandler, und erst gegen Abend, als Mr. Krueger (mittlerweile im Trenchcoat mit hochgeschlagenen Aermeln) selbst muede zu werden scheint, kommt es endlich zu einem Deal. Zu den Einzelheiten nur soviel: Bucht niemals eine Tour unterwegs, sondern immer nur direkt vor Ort. Wir beide waren leider so bloed, uns schon in Senggigi ein Angebot aufschwatzen zu lassen, was beinahe schief gegangen waere …


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Inzwischen haben wir den Rinjani geschafft und uns in Kuta, Lombok, von den Strapazen erholt (Bericht folgt) Viele Gruesse an alle, inzwischen kennen wir auch das Ergebnis eurer Wahl, ist ja richtig spannend zu Haus! Bis bald M&S

Posted by thaiboyal at 12:01 AM JST
Updated: Wednesday, 5 October 2005 8:48 PM JST
Sunday, 18 September 2005
Gili Meno
Es braucht eine halbe Stunde, um einmal um die Insel herum zu gehen. Auf der einen Seite Richtung Suedosten ist der Hauptstrand. Mehrere kleine Restaurants und Warunghuetten wechseln sich ab mit Wohnbungalows und etwas groesseren Anlagen. Ganz vorn am Strand laden gemuetliche Pavillons zum Verweilen ein. Hier liegen wir manchmal stundenlang im schuetzenden Schatten und blicken aufs Meer. Dort liegt vor uns die Palmenkueste von Air (von Lombok aus gesehen die erste der Gilis), dahinter tuermt sich die bergige Fassade von Lombok. Bei klarem Wetter zeigt sich ganz hinten im Dunst die Spitze des Rinjani, dem zweithoechsten Berg Indonesiens.

Die andere Seite der Insel ist eher rauh und meist viel windiger als am Hauptstrand. Entsprechend wenig Huetten zum Verweilen gibt es. Einmal sitzen wir hier abends eine Stunde lang, lassen uns bei einem heissen Tee den fuer hiesige Verhaeltnisse fast stuermisch zu nennenden Wind um die Ohren wehen, nur um einen kaum mittlemaessigen Sonnenuntergang zu erleben. Von Trawangan (3.Gili) weht Partymusik herueber, und als die Sonne dann kurz vor ihrem unspektakulaeren Abgang doch noch ein Quentchen Rouge auf die Wangen legt, leuchtet Gunung Agung (Balis hoechster Vulkan) im Coronalicht auf. Der Mann, von dem wir den Tee bekommen haben, begleitet uns zurueck ins Innere der Insel. Hier ist das eigentliche Dorf. Wer nicht von den Touristen lebt, wohnt hier in den primitiven Bambushuetten rund um die kleine Moschee ? ein Betonbau, kaum mehr als Grundmauern und Kuppel, der alles andere als heilig wirkt. Es ist kurz nach sechs, gerade hat der Muezzin sein ewig gleiches Gebet begonnen, gegen das nicht mal das Rauschen des Sturms ankommt. Auf dem Weg durchs Dorf erzaehlt unser Begleiter von seinen Plaenen. Er wuerde gern ein kleines Restaurant mit Blick auf den Sonnenuntergang eroeffnen. Vorhin haben wir ihn noch dabei beobachtet, wie er das nackte Bambusgeruest am Strand mit getrockneten Bananenblaettern abdeckte. Seit ein paar Monaten sitzt er schon an der Huette. Ganz allein. Und wie lange es noch dauern wird, bis sie fertig ist, weiss er auch nicht. Alles haengt von dem bisschen Geld ab, was ihm hin und wieder jemand borgt. Kriegt er keins mehr, muss er wieder Vieh zuechten oder Fische fangen. Mehr Alternativen gibt es hier nicht.

Ein paar Meter weiter, jetzt schon fast wieder auf der anderen Seite der Insel liegt unsere Unterkunft, das ?Rawah Indah?. Rund um die kleinen Bungalows (mit Salzwasserduschen, Suesswassertanks gibts hier nur fuer die ganz Reichen) grasen Ziegen und (gesunde) Huehner unter Kokospalmen. Dudu, unser Herbergsvater, versorgt uns jeden Morgen mit Lombok-Kaffee oder Tee. Dem kleine hagere Mann mit dem sehnigen Koerper und dem karioesen, aber herzlichen Lachen sieht man nicht an, wie alt er wirklich ist. Irgendwas zwischen 20 und 40. Jeden Tag geht er zu einer anderen Tageszeit ? je nach Gezeiten ? mit Harpune und Tauchmaske auf Fischfang. Einmal duerfen wir ihn begleiten, schnorcheln neben ihm her, beobachten, wie er sich orientiert, Ausschau haelt, bevor er einem Schwarm unten folgt und dort in etwas drei bis fuenf Metern Tiefe liegend am Boden wie ein Jaeger verharrt, um dann ploetzlich abzudruecken. Auf diese Weise faengt er einen White Snapper, einen Papageienfisch sowie zwei kleine (makrelenartige), die wir zwar nicht kennen, spaeter aber frisch gegrillt vom Fischer persoenlich serviert bekommen. Ein anderes Mal ist er zur Stelle, als Stefan sich im Meer den Arm an einer Qualle (White Jellyfish) verbrannt hat. Ein bisschen Kokosmilch, aufgetragen mit einer Knoblauchzehe, und schon eine Stunde spaeter ist nichts mehr zu sehen. Wenn die Verbrennungen besonders heftig sind, mischt er den Kamm eines Huhns in die Milch. Das hilft dann auf alle Faelle, sagt er. Obwohl Dudu zwei aeltere Toechter hat, ist sein Juengster der eigentliche Stolz des Hauses. Der Kleine ist hoechstens zwei Jahre alt und verteilt regelmaessig Handkuesse an die Gaeste. Wir fuehlen uns richtig gut aufgenommen.

Bei einem Strandspaziergang treffen wir einen Mann, der zwei Monate alte Schildkroeten in einem Bottich zuechtet. Die Tiere sind etwa so gross wie eine Hand. Als er sie bei Ebbe am Meer gefunden hat, waren sie nicht groesser als ein Daumen. Die naechsten Monate fuettert er sie mit Fisch, bis sie gross genug sind, um wieder ausgesetzt zu werden. Mit Umweltschutz hat das allerdings herzlich wenig zu tun. ?No turtles, no tourists?, sagt er. Nun ja, fuer irgendwas muessen wir ja auch gut sein. Dass die Rechnung aufgeht, sehen wir, als wir mit dem Boot zum Schnorcheln nach ?Turtles Heaven? rausfahren. Wirklich beeindruckend, wie sie majestaetisch durchs Wasser schweben und dann in der Tiefe verschwinden, nur noch hier und da erkennbar durch einen Sonnenstrahl, der sich im dunkler werdenden Wasser bricht.

Abends sitzen wir wieder in den Strandpavillons, geniessen frisch gefangenen Fisch, und die Jungs vom Restaurant, die noch vor wenigen Stunden Sarongs und falsche Perlenketten am Strand verkauft haben, sitzen nun mit ihren Gitarren hinter uns und improvisieren angenehm unaufdringlich bis tief in die Nacht.

Posted by thaiboyal at 7:04 PM JST
Updated: Saturday, 1 October 2005 1:50 AM JST
Wednesday, 14 September 2005
Zu den Gilis
Fuenf Stunden bis Lembar, Lombok, eine gute Zeit, um statt "LonelyPlanet" endlich mal ein ‚richtiges’ Buch zu lesen. Im Hafen docken sofort kleine Boote an, Haendler klettern hoch und beginnen wieder ihr uebliches Angepreise. Einige versuchen, sich als Traeger anzubieten, aber dank Reisefuehrer gibt hier niemand mehr sein Gepaeck aus der Hand. Insgesamt ist es aber lange nicht so schlimm, wie wir befuerchtet hatten. Mit dem Bus weiter nach Bangsal, dem Hafen von Pembanan im Nordwesten Lomboks.
Lombok wirkt im Vorueberfahren wie Bali, nur vielleicht 20 Jahre weiter zurueck. Alles ist hier noch eine Spur einfacher und urspruenglicher. Oben in den kurvigen engen Strassen passieren wir einen umgestuerzten Laster. Wenig spaeter kommen uns zwei Polizisten auf dem Motorrad entgegen. Eile kennen die hier ganz sicher nicht, ganz relaxt halten sie noch ihr Schwaetzchen miteinander. Der Laster wird wohl heut nicht mehr von der Strasse wegkommen. Die Landschaft ringsum gleicht eher einem Dschungel als einer Kuestenpiste. Affen sitzen am Strassenrand und glotzen uns hinterher. Bangsal, Pembanan, ist letztendlich mehr eine Ansammlung von Haeusern als ein Dorf. Kinder umringen den Bus, betteln um ein paar Centstuecke. Wir sind alle ein bisschen unsicher und misstrauisch – zu oft haben wir in den letzten Stunden Warnungen vor der hiesigen "Maffia" gehoert und gelesen. Ein kleines Boot bringt die einzelnen Grueppchen auf die Gilis. Unterwegs dann die ersten Bestandsaufnahmen. Bis auf zwei Uhren scheint alles noch da zu sein; eine der verschwundenen Uhren ist bloederweise die von Martina ...
Die drei Gili-Inseln versprechen das perfekte Paradies zu werden. Air, Meno, Trawangan – von ruhig bis Party ist hier fuer jeden was dabei. Wir lassen uns am weissen Sandstrand von Meno absetzen und sind uns sofort einig: hier bleiben wir laenger! Ohne die kleinen Bungalows und Pavillons am Strand koennte man ernsthaft glauben, man waere soeben auf Robinsons Insel gelandet. Zum x-ten Mal profitieren wir von der Nachsaison: Gili Meno ist mindestens so einsam wie Lovina auf Bali, nur eben (fast) ohne Haendlerterror und mit strahlend weissen Sandstraenden, wohin man auch blickt. Eine kleine, recht primitive Huette im Inneren des Eilands wird die naechsten Tage unser Domizil sein.

Posted by thaiboyal at 12:01 AM JST
Updated: Sunday, 18 September 2005 6:55 PM JST
Tuesday, 13 September 2005
Padangbai
Nach zwei Tagen Ruhe weiter in Richtung Sueden nach Padangbai. Zunaechst ganz spartanisch auf der hinteren Ladeflaeche eines Lasters. Hier und da halten wir immer wieder mal an, um Leute mit ins naechste Dorf zu nehmen. Die meisten von ihnen haben ein Buendel Makrelen dabei, die sie bei den Fischern gekauft haben. An einer Rinne am Strassenrand sitzen die Aermsten der Armen und verrichten ihre Notdurft samt Morgentoilette. Wir passieren wunderschoene Taeler mit ueppigen Reisterassen. Hier hinter den Bergen kann man gelegenlich noch mit Regen rechnen, waehrend vorn an der Kueste eine laehmende Duerre herrscht. Das letzte Stueck nach Padangbai nehmen wir den Local-Bus – auch ein Bemo, diesmal aber ein verlaesslicher – schliesslich fahren hier nicht nur Touris damit, und was anderes scheints auf diesem Streckenabschnitt auch nicht zu geben. Im Hafen von Padangbai angelangt, faellt es nicht schwer, sich zu orientieren. Neben der Hafenbucht, von der die Faehre nach Lombok geht, gibt es rechts und links je eine verborgene kleine Nebenbucht, wo sichs zum Teil bei Flut auch recht gut schnorcheln laesst, voraussgesetzt man laesst sich auf die nicht ganz ungefaehrliche Kombination von Flachriff und recht starken Wellen ein. Ansonsten ist hier alles wieder ein bisschen voller: der Ort lebt vorwiegend vom Transitverkehr; alle zwei Stunden geht eine Faehre nach drueben, und wer auf dem normalen Weg nach Lombok will, kommt hier eigentlich nicht drumherum.

Posted by thaiboyal at 12:01 AM JST
Updated: Sunday, 18 September 2005 6:51 PM JST
Sunday, 11 September 2005
In Amed
Die Nordkueste von Bali entlang Richtung Osten. In einem der zahlreichen kleinen Doerfer bereiten sie gerade eine Kremation vor: die Zeremonie, mit der die balinesichen Hindus ihre Toten beerdigen. Dazu wird ein etwa drei Meter hoher Turm aus Bambus gebaut und mit allerhand Zierrat geschmueckt. Das Ganze kann sich bis zu einer Woche und laenger hinziehen. Der Verstorbene wird unterdessen 'provisorisch begraben', damit seine Seele bis zur endgueltigen Bestattung nicht entweichen kann. In dieser Zeit finden sich dann auch nach und nach Verwandte aus allen Himmelsrichtungen ein, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Am Tag der Kremation wird der Verblichene wieder ausgegraben und in einer feierlichen Zeremonie auf dem Turm verbrannt. Auch diese Prozedur kann sich einen ganzen Tag hinziehen, wie unser Fahrer berichtet.
Gegen Mittag erreichen wir Amed an der oestlichsten Landzunge von Bali. Amed ist eines von mehreren kleinen Fischerdoerfern, die hier in den schwarzen Sandbuchten unterhalb der bergigen Steilkueste angesiedelt sind. Im Laufe der Jahre sind hier auch kleine Unterkuenfte fuer Reisende (bis hin zu luxurioesen Hotelanlagen mit Pool direkt am Meer fuer die ganz Dekadenten) in die Buchtenraender gebaut worden. Einmal mehr haben wir die Qual der Wahl und bleiben schliesslich im "Vienna Lodging". Die kleinen Bungalows blicken auf ein spiegelglattes Meer. Genau vor uns lockt ein Korallenriff zum Schnorcheln; man braucht sich durch keinen langen Flachsand mehr hindurchzukaempfen, muss praktisch nur noch von der Terasse aus einsteigen, und schon ist man mittendrin im bunten Gewusel der Meeresbewohner. Nachmittags fahren die Fischer mit ihren kleinen Katamaran-Seglern hinaus, um gegen halb sieben zurueckzukehren, wenn hinter uns in den Bergen die Sonne langsam verschwindet und dieses paradiesische Fleckchen in ein fast kitschiges Licht taucht. Hoert euch Nick Drakes "Riverman" an, und ihr habt den perfekten Soundtrack zu diesem wunderbaren Ort des Friedens. Nicht ganz perfekt ist der Sound, der uns abends im Bett zufliegt: Die Jungs vom Restaurant nebenan haben nochmal die Klampfe rausgeholt und begleiten uns mit ihren Versuchen in die Nacht. Ueberhaupt singt hier jeder ueberall. Dass sie’s auch alle koennen, wuerden wir allerdings nicht unterschreiben;o)

Posted by thaiboyal at 12:01 AM JST
Updated: Saturday, 1 October 2005 1:59 AM JST
Saturday, 10 September 2005
Vertreibung aus Dead Man's Town
Unser Einzug ist nicht lange geheim geblieben. Schon beim Fruehstueck werden wir belagert von den penetranten Haendlern und Schleppern, die uns Schnorcheltouren, Schnitzereien und werweisswassonstnoch andrehen wollen und deren Englisch doch recht duerftig zu sein scheint; zumindest verstehen sie auch beim zehnten Mal nicht, dass "No" "No" means, weshalb wir kurzentschlossen unser Raenzlein schnueren, um uns im Inneren von Lovina hinter Hotelmauern zurueckzuziehen. Hier haben wir ohnehin die Qual der Wahl: die etwa acht Kilometer lange Hotelkueste gleicht einer Geisterstadt, die irgendwann vor Jahren vermutlich mal bessere Zeiten gesehen hat. Leere Restaurant, wo man auch hinkommt, hin und wieder sogar mal ein Tourist, dafuer an jeder Ecke fliegende Haendler und Schlepper, die sich auf die Neuankoemmlinge stuerzen wie Fliegen auf den frischen Mist. Wir fuehlen uns aeusserst unwohl, und haetten wir nicht die letzten zwei Tage im Bus gesessen, wuerden wirs jetzt wohl schon wieder tun. Auch im "Harris Inn" sind wir die einzigen Gaeste. Der schwarze Strand wirkt wie ausgestorben. Was solls, endlich koennen wir im Meer baden. Das Wasser ist herrlich warm und ueberhaupt keine Erfrischung. Am Ufer sitzen sie schon wieder mit ihren Sarongs und Perlenketten und warten, dass wir aus dem Wasser kommen. Sie habens geschafft: morgen sind wir hier wieder weg!

P.S.: Dabei ist Lovina wirklich schoen! Schade drum ...

P.P.S.: Haetten gern mal ein paar Pics beigelegt, aber die unueberwindlichen Huerden des Ganzen heissen momentan Win97 und 52kModem :o/

Posted by thaiboyal at 12:01 AM JST
Updated: Saturday, 1 October 2005 2:02 AM JST
Friday, 9 September 2005
Bus, Bromo, Bus
Die naechsten zwei Tage verbringen wir nahezu komplett im Bus. Wir sind auf dem Weg nach Bomyuwangi im Osten Javas: von dort geht die Faehre nach Gilimanuk, Bali. Die Nacht verbringen wir in 2392m Hoehe am oberen Rand des Gunung Bromo. Dieser ebenfalls aktive Vulkan liefert mit seiner spektakulaeren Kulisse einen weiteren Grund, vor Morgengrauen auf Wanderschaft zu gehen. Keine Angst, diesmal dauerts lediglich eine gute Stunde, bis wir die bizarre Landschaft im Plateau des Kraters durchwandert haben. Trotzdem ist auch dieser kleine 'Bummel' ein echtes Erlebnis. Staendig tauchen von irgendwoher aus der Finsertnis Reiter auf, die sich als Fuehrer anbieten. Aber der Weg ist relativ gut ueberschaubar, und immer wieder blinken neue Lichter auf von Leuten, die zu dieser fruehen Stunde hier in der Sandwueste unterwegs sind. Das Innere dieses riesigen Vulkans erstreckt sich ueber einen Durchmesser von ungefaehr zehn Kilometern. Man muss sich das vorstellen wie einen immens grossen Mutterkrater, in dessen Zentrum sich weitere 'kleine' Krater-Oeffnungen befinden, deren zerklueftete Aussenwaende man wiederum besteigen muss. Das ganze Setting bildet nicht nur bei Sonnenaufgang eine der faszinierendsten Vulkanlandschaften, die Java ueberhaupt zu bieten hat. Fuer uns, die wir in diesem Moment auf der stinkenden Spitze in der Mitte gegen den kaum noch zu ertragenden Schwefelgestank ankaempfen, ist nur etwa die Haelfte vom Ganzen auszumachen, was aber trotzdem atemberaubend ist – im wahrsten Sinne des Wortes!
Gegen neun dann weiter mit dem Bus bis zur Faehre. Hier etwas eigenartige Empfindungen angesichts der Kinder, die aus etwa zehn Metern Hoehe von der Fahre ins Meer springen, um dann von den Touristen etwas Kleingeld erhaschen. Fuer die Kids sicherlich mitunter ein recht lohnender Zeitvertreib; fuer uns hats irgendwie ein bisschen was von Moewenfuettern – es muss hier halt jeder in solchen Situationen wissen, was er tut, und wie er damit umgeht … Unterwegs werden endlich auch mal die Einheimischen selbst genervt von dem Dauerseller, der irgendwelche Englischlehrbuecher und Atlanten fuer Kids zwischen sechs und 66 an den Mann bringen will – die reinste Kaffeefahrt, aber recht unterhaltsam. Zwei Stunden spaeter betreten wir dann balinesischen Boden. Irgendwo auf dem Wasser muessen wir eine Stunde verloren haben, denn hier schreibt man jetzt ostindonesische Zeit (sechs Stunden vor MEZ). Allerdings kommts darauf nach mittlerweile 16 Stunden Busfahrt und Faehre nun wirklich nicht mehr an. Wir verabschieden uns von Wolfgang und Barbara, mit denen wir eine echt gute Zeit hatten. Sie wollen weiter nach Denpasar im Sueden, uns ziehts eher nach Lovina im Norden der Insel. Eigentlich sinds bis dorthin nur noch etwa zwei Stunden, aber die werden mit 16 (!) Leuten in einem Minibus nochmal zur absoluten Belastungsprobe. Diese Bemo-Shuttles sind so ziemlich das nervigste Transportmittel, was wir bis jetzt kennen gelernt haben. Sie fahren einen erst dann irgendwohin, wenn sie voll sind, auch wenn das gelegentlich gern mal bis zu drei Stunden dauern kann (so ein Bemo ist praktisch nie voll – irgendwo passt immer noch ein Stueck Mensch in die Sardinendose auf Raedern hinein ... Fix und fertig landen wir gegen neun endlich in Lovina, wo wir sofort von einem Schwarm Hotelschleppern umringt werden. Irgendwie gelingt uns der Absprung nach "Sri Beach Lodging", einer kleinen Herberge abseits der Hotelburg. Der Garten mit seinen kleinen Bungalows ist direkt am Meer gelegen. Wir sind die einzigen Gaeste hier und hoffen, in dieser Einsamkeit endlich ein bisschen Ruhe zu finden und vor allem unseren Schnupfen zu kurieren, den wir uns kollektiv oben am Bromo eingefangen haben.

Posted by thaiboyal at 12:01 AM JST
Updated: Sunday, 18 September 2005 6:46 PM JST

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